28.5. Anreise nach Stockholm

Heute war unser Anreisetag, um 5 wurden wir vom Taxi abgeholt, um 7 fiel ich in mein gewohntes Flugzeug Koma.
In Stockholm angekommen holten wir unser Auto, einen Fiat 500 x, ab um damit zum gut versteckten Campingplatz zu irren.
Wir deckten uns in der Stadt mit Butangas, Lebensmitteln und Bier ein, schlugen unser Zelt auf und kochten zum ersten Mal Ravioli.
Am Nachmittag ging es wieder zurück nach Stockholm, Verena und ich aßen dort Eis, spazierten gemütlich und ohne Ziel durch die Innenstadt.
Recht müde ging der erste Tag zu Ende, leider konnten wir die schwedische Hauptstadt heute nur sehr oberflächlich erkunden, für morgen haben wir uns mehr vorgenommen.



29.5. Stockholm - Jönköping

Die erste Nacht im Zelt war etwas seltsam: Es war so hell, dass ich einige Male aufgewacht bin und dachte es ist Zeit zum Aufstehen. Es regnete ein paarmal, was recht laut ist. Aber die Faulheit, die Ohrenstöpsel aus dem Auto zu holen, siegte. Zumindest war es nicht wie befürchtet kalt.
Nach dem Frühstück im Camp fuhren wir wieder mit der T(unnel)-Bahn ca. 15 Minuten nach Stockholm ins Zentrum um zum berühmten Wasa Museum zu pilgern. Beeindruckend und zugleich ein wenig traurig , ein derart gut erhaltenes, riesiges Schiff zu sehen, welches nach nur 1500 m Fahrt gesunken ist. Nach einem Hotdog und einem Spaziergang im Park beschlossen wir, noch das Nobel Museum zu besuchen, bevor wir uns auf den Weg nach Jönköping, unseren nächsten Wegpunkt im Süden des Vätternsee, machten.



30.5. Jönköping

Heute hatten wir wenig Glück. Wir wollten am Vätternsee ein wenig mit dem Kanu fahren, und fuhren nach Gränna zu einem Camp am See, das viele Sportarten anbietet. Das unfähige Personal dort konnte uns nicht einmal sagen wo man in der Umgebung kanufahren kann.
Daraufhin packten wir unsere Sachen und versuchten es in Jönköping im nächsten Wassersportclub, der im Mai leider noch geschlossen hat... Auch das Streichholz Museum hatte am Montag zu.
Nach einer Stadtbesichtigung im idyllischen Jönköping beschlossen wir weiter zu fahren, und fanden einen sehr schönen Camping Platz in Lovsjö, an einem kleinen See im Wald. Schlussendlich konnten wir dort eine Runde mit dem Kanu fahren, und verbrachten den restlichen Tag mit faulenzen und spazieren.



31.5. Jönköping - Isaberg - Göteborg

Nach einem entspannten Frühstück aus Smörebrød und Kaffee auf einer Sandbank am Seeufer machten wir uns auf zum Streichholz Museum, das wirklich einen Besuch wert war: Seinen Wohlstand verdankt Jönköping der Erfindung und dem im 19. Jhd. blühenden Export von Sicherheits Streichhölzern.
Die nächste Zieldestination war Isaberg; im dort befindlichen Elchpark erfuhren wir allerhand interessanten Fakten zu Schwedens Tierpopulation und bekamen sogar ein kaum 2 Wochen altes Elchkalb zu Gesicht. Wir entschieden uns nach einer Nobelpizza, gleich nach Göteborg weiter zu reisen.
2 Minuten nachdem wir dort unser Zelt aufgeschlagen hatten, begann es in Strömen zu regnen. Glück gehabt, wir warteten Kaffee trinkend im Trockenen auf das Versiegen des Schauers und konnten den restlichen Abend entspannt genießen.



1.6. Göteborg - Oslo

Am Vormittag fuhren wir vom Camp in die Hafenstadt Göteborg, um sie zu besichtigen. Als wir die Domkirche betraten, konnten wir einer orgelbegleiteten Chor mit Streichern zusehen und hören. Dann sahen wir uns noch den Hafen an, ich aß ein Lakritz Eis und wir bummelten durch die Altstadt zurück zum Auto, um weiter nach Oslo zu fahren.
Wieder bauten wir unser Zelt auf und fuhren mit dem Bus in die Stadt. Mit einem Burrito ausgerüstet besuchten wir das entweder sehr spießige oder einfach nur stinkreiche Viertel rund ums Museum für moderne Kunst. Es war sehr sommerlich und warm, die Leute sonnten sich und schwammen im Meer. Verena und ich kauften uns ein Bier und genossen das Ambiente, spazierten auch hier durch die Altstadt bevor es zurück ins Basislager ging.



2.6. Oslo - Heddal - Kristiansand

Nur wenige Fahrminuten von unserem Nachtlager entfernt steht die Skisprung Schanze Holmenkolm, die wir vor der Weiterfahrt besichtigten. Unser nächstes Ziel war Heddal, wo die größte noch erhaltene Stabskirche Norwegens steht. Der Geruch und die Akustik einer Kirche ganz aus Holz schafft eine ganz ungewöhnliche Stimmung. Den vom benachbarten Gasthaus angebotenen Elchburger müssten wir leider auslassen, es war brechend voll mit fröhlichen Pensionisten.
Ein paar Stunden später erreichten wir die nette Kleinstadt Kristiansand, wo wir während dem Verdauungsspaziergang nach einem guten indischen Essen schockiert feststellten mussten, dass in Norwegen nach 20 Uhr kein Bier mehr verkauft werden darf. Als es gegen Mitternacht langsam dämmerte, zogen wir uns ins Zelt zurück, am nächsten Tag haben wir eine lange Fahrt vor uns.



3.6. Kristiansand - Lysebotn

Während der weiten Fahrt zum nächsten Camp im abgelegenen Lysebotn wurde die Landschaft immer zerklüfteter. Die im Süden Norwegens vorherrschenden Mischwälder wurden immer karger, mit zunehmender Meereshöhe verschwanden die Bäume schließlich ganz. Nach und nach kamen nackte, vom eiszeitlichen Gletscher ganz rund geschliffene Felsen zum Vorschein, schmelzende Schneefelder bildeten Bäche und Wasserfälle, die sich in Seen sammelten.
Wir waren ganz überwältigt von der Schönheit des Örtchens Lysebotn: Ein enges Tal zwischen fast senkrechten, tausend Meter hohen Felsen, das ins Meer mündet, am Ufer der Campingplatz, mit Blick auf 2 ebenso hohe Wasserfälle.
Der bisherige Höhepunkt der Reise war für mich die etwa fünfstündige Wanderung zum Kjerak, ein runder Stein mit etwa 3 m Durchmesser, der in einer Felsspalte klemmt. Darunter geht es 1000 m senkrecht in die Tiefe, ein tolles Fotomotiv und das Mekka für Basejumper.
Beim Abendessen konnten wir ein paar Paraglider beobachten, die sich den langen Abstieg ersparten. Ein anstrengender Tag.



4.6. Lysebotn - Odda

Ein Erdrutsch, der die Straße zwischen Lysebotn nach Stavanger unbrauchbar machte, zwang uns einen weiten Umweg zu fahren. Die kleine und überbuchte Fähre hätte gleich lang gedauert und lange Wartezeiten bedeutet. Die Reise ging wieder zurück ins Landesinnere über Stavanger ins kleine Städtchen Odda, unserem nächsten Nachtlager. Unterwegs besichtigten wir zwei gewaltige Wasserfälle, die direkt neben der Straße in die Fjorde sprudelten: Langfossen und den Doppelwasserfall Latefossen.
Nach dem Spaziergang in die Ortsmitte von Odda und einigen Besorgungen kochten wir unser Abendessen im Camp. Wir waren gerade fertig als eine ebenfalls dort übernachtende, bärtige und laute, etwa zehnköpfige Bikergang aufforderte, mit ihnen Bier zu trinken. Der restliche Abend war damit sehr lustig und wir erhielten ein paar wertvolle Tipps für unser nächstes Ziel Bergen - und auch ein wenig Kopfweh am nachsten Tag.



5.6. Odda - Bergen

Wir verabschiedeten uns von den etwa fünfzigjährigen Harleyfahrern um den Rossnos, den Hausberg von Odda zu besteigen. Nach einem kontinuierlich steilen Aufstieg in der Mittagshitze durch weite Nadel- und Lärchenwälder erkannten wir, dass das letzte Stück zum Gipfel zu alpin für uns war. Die Aussicht über den langen Fjord, in dem Odda liegt, war herrlich genug für eine verdiente Jause und ein paar Fotos. Nach 6 Stunden waren wir wieder beim Auto, und trafen wieder den freundlichen Mann den wir am Beginn der Wanderung nach dem Weg gefragt hatten.
Es ging weiter über die Hardangerbrücke, eine der weltweit längsten Hängebrücken, und zahlreiche Tunnels nach Bergen ins Camp Lone, wo wir uns schon auf die Dusche freuten.



6.6. Bergen

Heute schliefen wir uns einmal aus, und verließen den Campingplatz erst gegen Mittag. Nach einer 20 minütigen Fahrt stellten wir das Auto im Bergener Stadtzentrum ab, um dort erstmal den berühmten Fischmarkt und die Altstadt Bryggen mit ihren bunten, etwas windschiefen Holzfassaden zu durchwandern.
Anschließend besuchten wir das Hansemuseum, wo wir einiges über die spannende Stadtgeschichte erfuhren. Das Viertel Bryggen wuchs im Mittelalter zu einem wichtiges Handelszentrum, das der Hansestadt Lübeck unterstellt war und nur von deutschen Kaufleuten bewohnt werden durfte.
Wir sahen uns ausserdem das Fischfang Museum an, dort erhielten wir Einblicke in die Entwicklung des Walfanges und der Fischerei der Seefahrer Nation.
Nach einer guten Fischmahlzeit in einer Zupperia (ein Tipp der Biker) benutzen wir die bekannte Standseilbahn, um auf den Berg Fløyen zu fahren; dort mussten wir leider feststellen dass ausgerechnet hier das campen untersagt ist. Heimlich suchten wir uns einen Platz im Dickicht, um das Zelt dennoch hier aufzustellen.



7.6. Bergen - Flåm - Gaupne

Früher als sonst standen wir heute auf, aus Angst beim Campen erwischt zu werden. Es war sehr nebelig, als wir unser Lager abbrachen um zurück zum Auto in Bergen zu marschieren.
Wir starteten ohne Frühstück in Richtung Flåm, um dort mit der idyllischen, Flåmbahn zu fahren. Die Zugverbindung reicht bis nach Myrdal, von dort aus gibt es Verbindungen bis nach Bergen.
Entlang der Bahnstrecke, die entlang eines Fjordes durch viele Tunmels führt, und dabei zahlreiche Wasserfällen und Wanderwege passiert. Als wir wieder in Flam ankamen, besuchten wir noch das Bahnmuseum und fuhren weiter nach Gaupne, wobei wir wieder eine Fähre benutzten und den längsten norwegischen, 25 km langen Tunnel durchquerten.



8.6. Gaupen - Nigardsbreen - Lom

Nach einem gemütlichen Frühstück packten wir unsere Sachen ein und fuhren zum Nigardsbreen, einem Gletscher im TODO tal. Auf dem Parkplatz trafen wir unsere nepalesischen Tourguides, die uns Steigeisen uns Eispickel aushändigten und uns zum unteren Ende der blau schimmernden Gletscherzunge zu führen. Als unsere etwa 20 köpfige Gruppe dort ankam, schnallten wir uns die Eisen an die Schuhe, und wurden noch mittels Hüftgurten an einem Seil aufgefädelt. Nach einigen Instruktionen stiegen wir aufs Eis, was uns großen Spaß bereitete. Die Landschaft war großartig, das Wetter für Kaiser und das Tempo erlaubte Fotos und das Genießen des Erlebnisses.
Nach etwa 5 Stunden erreichten wir wieder das Auto, und fuhren über den TODO, den höchsten und vielleicht schönsten Pass Nordeuropas in das Örtchen Lom, wo wir nächtigten.
Beim Abendessen lernten wir 2 junge, ebenfalls Outdoor begeisterte Männer aus Korea kennen, mit denen wir vor dem Schlafen noch einige Drinks einnahmen, die uns hoffentlich fur die kalte Nacht rüsteten.



9.6. Lom - Geiranger - Alesund

Die Nacht in Lom war bitterkalt, wir froren trotz aller Gegenmaßnahmen: Wärmflasche, viele Schichten Kleidung, Kuscheln, Vodka, bis endlich die Sonne aufging.
Als wir uns bei unseren koreanischen Bekannten nach einem Kaffee verabschiedet hatten, machten wir noch einen Abstecher zur Lomer Stabskirche bevor wir unsere Vorräte aufstockten und uns auf den Weg zum Geiranger machten. Unterwegs trafen wir wieder auf spektakuläre Landschaften, etwa Gletscherseen umgeben von verschneiten Bergen. Im Dorf Geiranger an der Stelle, wo der gleichnamige Fjord ins Meer mündet, spazierten wir an dem beliebten Wasserfallweg entlang und erlangten im Touristenshop durch Zufall noch 2 hochwertige, warme, zudem günstige Schlafsäcke für unsere weitere, immer nördlicher verlaufende Reise.
An der hübschen Küstenstadt Alesund suchten wir uns bummelnd ein Restaurant und platzieren unser Zelt erschöpft in Meeresnähe.



10.6. Alesund - Trollstigen - Kristiansund

Verena und ich fuhren nochmals ins Zentrum von Alesund, um dort eine am gestrigen Abend gesichtete Aussichtsplattform über viele Stufen zu erklimmen. Man konnte über die ganze malerisch anmutende Stadt blicken, nach einigen Fotos machten wir uns aber wieder aus dem Staub, hunderte andere Touristen drängten sich an dem Fleck.
Den restlichen Tag waren wir hauptsächlich mit der Fahrerei beschäftigt. Da wir es einige Tage zuvor leider versäumten, die Trollstigen, einer sehr steilen und spektakulären Serpentinenstraße, in unsere Route einzuplanen, nahmen wir einen Umweg auf uns, der aber reich belohnt wurde. Die schöne Aussicht konnte man auf einem gut ausgebauten Spazierweg um den höchsten Punkt herum gut genießen.
Bald brachen wir auf in Richtung Kristiansund, benutzten dabei Fähren, Unterwassertunnels und die modernen, gebogen geformten Brücken der Atlantikstraße.
Am Abend spazierten wir noch, um ein paar Sachen einzukaufen, und sahen uns das EM Eröffnungsspiel im Gemeimschaftsraum der Anlage an.



11.6. Kristiansund - Otta

Wir erkundeten Kristiansund mithilfe des Aussichtsturms, dort konnte man ein sehr stark vergrößerndes Fernglas benutzen um viele Details zu entdecken: Fischkutter am Horizont, Ölbohrinseln, das Städchen selbst und die schöne Landschaft.
Die nächste Übernachtung war in Otta geplant, auf dem Weg dorthin liegen wieder viele spektakuläre Brücken.
Nach einem kurzen Versorgungsstopp gabelten wir Emma und Janosch, 2 Kopenhagener Autostopper, auf. Die restliche Fahrzeit verging aufgrund des interessanten Gesprächs wie im Flug.
In Otta war der erste Campingplatz, wo kein Deutsch gesprochen wurde, die Wirte mussten uns 3 Mal zeigen wo der Zeltplatz liegt. Wir hatten den Eindruck dass sie uns nicht für ganz voll nahmen, da sie uns die ganze Zeit beobachteten.



12.6. Otta - Lillehammer

In der Nacht in Otta habe ich mich ziemlich verkühlt, bin sehr oft aufgewacht, und einen Berg gebrauchte Schneuztücher produziert.
Am nachsten Tag hatte ich Fieber, nach der dreistündigen Fahrt nach Lillehammer bauten wir das Zelt knapp vor einem kurzen Regenschauer auf, ab dann blieb ich den ganzen Tag im Schlafsack. Während meinen widerlichen Träumen erkundete Verena die Stadt im Alleingang.


13.6. Lillehammer - Karlstadt

Wir begannen den Tag mit der Besichtigung der Sprungschanze, erklommen den höchsten Punkt und sahen sogar einige Springer, die sich auf ihr Training vorbereiteten, es dauerte uns aber zu lange, bis zum Sprung zu warten.
Im Freilichtmuseum Maihaugen, unserer nächsten Aktivität, erhielten wir einen tollen Einblick in das norwegische Leben ab dem Spätmittelalter. In dem Gelände wurden zahlreiche großteils betretbare Bauwerke aus dieser Zeit zusammengetragen: Kirchen, Bauernhöfe, eine Schule, Gefängnis, Handwerksbetriebe, Fischerunterkünfte und viele Wohnbauten aus verschiedenen Epochen.
Nach dem Museum aßen wir, nebst ein bisschen bummeln im Zentrum, endlich Elchburger, die wir schon so lange gesucht haben.
Auf diese Weise gestärkt machten wir uns auf den Weg nach Karlstad, nördlich des Vänern Sees in Schweden.



14.6. Karlstad

Zum ersten Mal während unserer Reise ließen wir unser Zelt länger als 1 Tag am selben Ort stehen. In dem Camp Bomstad, welches eher eine kleine Stadt aus Campingwagen bestand, waren wir die einzigen Zeltbewohner.
Hier erholten wir uns erst einmal vom vielen Autofahren während der letzten Wochen: Wir schliefen länger als sonst, fuhren mit dem Fahrrad ins Zentrum des etwa 5 km entfernten Karlstad um dort das schöne Wetter genießend zu spazieren. Auf dem Rückweg ins Camp machten wir noch eine Einkehr in einem Einkaufszentrum, um dort Köttbullar, die bekannten schwedischen Fleischbällchen zu essen.
Am Nachmittag legten wir uns noch lesend in die Sonne am Badestrand, abends sahen wir uns das wie erwartet gespielte EM Spiel Österreich gegen Ungarn an. Nach dem Abendessen fingen wir an, unsere Sachen für den morgigen Flug in den Rucksack zu zwängen.



15.6. Karlstad - Stockholm - Narvik

Als dass der in der Nacht angefangene Regen pünktlich zum Aufstehen aufhörte, waren wir erleichtert; wir konnten unser Gepäck im Trockenen fertig packen, und fuhren zum Flughafen in Stockholm.
Nach der Rückgabe des Autos checkten wir ein, um über Oslo nach Narvik auf den Lofoten, einer Richtung Westen wachsenden Halbinsel an der norwegischen Küste, zu fliegen, wir landeten dort um 19:30.
Hier hat sich bei der Planung ein böser Fehler eingeschlichen: Es gibt 2 Flughäfen namens Narvik, wir waren am falschen; weit von unserem Hotel und dem Mietwagenverleih entfernt. Der Bus in Richtung Hotel fuhr sehr spät, weswegen wir uns entschließen per Autostopp zu fahren. Nach über einer Stunde hielt endlich jemand an. 2 Sprachwissenschaftler, Professor Rüdiger aus Holland und sein Assistent Ulle aus Kiruna, Schweden nahmen uns mit, es stellte sich heraus dass sie sogar im selben Hotel wie wir wohnten, welch ein Glücksgriff!
Die beiden erforschten die Verbreitung der Sprache der Sami und interviewten auf den Lofoten die verbliebenen Sprecher. Unsere sehr spannende Unterhaltung setzten wir, nachdem wir unsere Rucksäcke ins Zimmer warfen, in der lokalen Skybar beim Beobachten der Mitternachtssonne bis zur Sperrstunde fort.



16.6. Lofoten

Das nächste Problem war das Mietauto, wenn wir das am anderen Flughafen zurückgeben würden, nimmt uns das viel Zeit, auch war unklar wie wir zur Vermietung hinkommen sollen. Als Verena dort um Auskunft bat, holte uns Søndre, ein extrem hilfsbereiter Mitarbeiter kurzerhand direkt beim Hotel ab, stellte uns ein Auto, welches ohne Aufpreis bei unserem Flughafen zurückzugeben ist, zur Verfügung und druckte uns noch Pläne mit Insidertipps zu besonders schönen Gegenden aus.
Der Glaube an das Gute im Menschen ist wichtig. Mir wurde einmal wieder bewusst wie sehr der in Wien verloren gegangen ist, ein Punkt mit dem ich schon damals bei meinem Umzug in unsere Hauptstadt sehr schwer zurecht kam.
Es geht weiter im Ford Fiesta nach Westen, zunächst im Regen durch die Ofoten, einige Fahrstunden später riß das Wetter auf, und die prachtvolle Landschaft zeigte ihren Charakter. Lauter nur wenige hundert Meter hohe, trotzdem schneebedeckte, zeltförmig spitze Bergchen reihen sich entlang der teils mit blauem bis türkisem Wasser, teils mit Mischwald gefüllten Fjorde auf.
Wir erreichen Henningsvær, das Festland zerbröselt immer mehr, es sieht hier gleichzeitig wie eine Inselgruppe und wie ein alpines Gebirge aus.
Im idyllischen Fischerdorf Henningsvær gingen wir zu Fuß von der Ortsmitte entlang von Anlegestellen wo einige Fischer auf ihren Booten arbeiteten, Schutzwällen bestehend aus großen Felsblöcken, auf hölzernen Trockengestellen aufgehängter, nicht gerade duftender Kabeljau bis zum südlichsten Punkt, wo wir eine Pause machten um in der Sonne sitzend ins Meer schauten. Wir wollten hier auch etwas essen gehen, aber die Preise der feinen Fischrestaurants änderten unsere Meinung; wir kochten uns selbst etwas Suppe im Freien bevor wir uns weiter auf den Weg zum zum Kvalvika Strand machten.
Am Parkplatz angekommen mussten wir eilig unsere Rucksäcke packen, denn der Wind kühlte uns sonst schnell aus. Nachdem wir um 22:30 den gut einstündigen Marsch über den Bergsattel antraten, wurde uns schnell wieder warm. Wir wurden nicht enttäuscht, zwischen den hohen, spitzen Felsformationen war eine kleine, etwa 300 m lange Sandbucht versteckt. Die Mitternachssonne strahlte, man konnte in der Ferne den Atem von Walen erkennen. Mittlerweile sehr routiniert bauten wir das Zelt auf einer bequemen Plattform auf und waren wieder windgeschützt. Die neuen Schlafsäcke bewährten sich, kaum zu glauben wie groß der Unterschied sein kann. Ich bin nur ein paar mal aufgewacht weil der Wind das Zelt so stark verformte. Wildnis.



17.6. Lofoten

Um in der versteckten Bucht zu frühstücken, mussten wir uns erst ein windgeschütztes Plätzchen suchen. Nachdem wir noch ein Weilchen in die Ferne schauten, machten wir uns auf den Rückweg zum Auto.Auf dem Bergsattel, den man überschreiten muss um den Strand zu erreichen, wurden wir von Böen gepeitscht, die einen fast aus dem Gleichgewicht brachten.
Unser nächstes Ziel auf den Lofoten war Å, der schreibfaule Ort am westlichsten Zipfel der Halbinsel. Dort war es wieder sehr sonnig und ruhig. Wir hielten eine Weile inne, um dort stilecht die mitgebrachten Chips aus Trockenfisch zu verzehren. Wir beschlossen, nun zum uns von der bergener Bikergang empfohlenen Wickingermuseum in Borg zu fahren, und nahmen umterwegs 2 deutsche Autostopperinnen mit.
Leider wurde es während der Fahrt extrem stürmisch, sodass wir den Freilichtteil des Museums nicht besuchen konnten; aufrecht stehen war an dem sehr ausgesetzten Gelände sehr schwierig. Das Museum erzählte uns dennoch sehr unterhaltsam in Form von restaurierten Gebäuden mit ausgestellten Artefakten der dortigen Ausgrabungsstelle und einem Film einiges über die Lebensweise und Kultur, Mythologie und weltliche Organisation des durchaus hoch entwickelten Seefahrervolkes.
Am Ende des Tages fuhren wir im Regen nach Sortland, wo wir dem mit chinesischem Essen beckleckerten alten Sack von Betreiber Wucherpreise für die Nächtigung in dem schäbigen Camp bezahlten.



18.6. Sortland - Andenes - Gullesfjordbotn

Nach der trocken überstandenen nassen Nacht unterhielten wir uns nett mit einem dänischen Pensionistenpaar und einem weissbärtigen Deutschen, der schon seit 7 Wochen alleine mit dem Fahrrad die Welt bereiste in der viel zu kleinen Gemeinschaftsküche.
Es regnete immer noch, wir beeilten uns nach Andenes ganz im Norden der Inselgruppe. Leider war die dort gebuchte Walsafari aufgrund des starken Windes abgesagt, immerhin erhielten wir unser Geld zurück. Im Wal Museum nahmen wir an einer Führung teil, die uns viel über das Leben der Tiere beibrachte: Die Evolution der intelligenten Säuger, die wieder vom Land zurück ins Meer wanderten, die sich gegenseitig bei der Geburt helfen, in großer Tiefe in Familien Gruppen jagen und stark vom Aussterben bedroht sind. Es tröstete uns ein wenig über die Absage hinweg, bei der Ausfahrt hätten wir aber ohnehin höchstens die Gischt des Ausatmens oder die Schwanzflossen der Tiere beim Abtauchen aus einiger Entfernung beobachten können.
Am Abend suchten wir uns, eine gute Fahrstunde vom Abflughafen entfernt, ein Camp wo wir ein letztes mal, wieder im Regen, die Zeltplane hissten. Gemeinsam mit den anderen Gästen sahen wir uns das sehr spannende EM Spiel Österreich - Portugal an; der Umstand dass meine lieben Eltern dort im Stadion zusahen, ließ uns sehr aufmerksam mitfiebern.



19.6. Rückreise nach Wien

Heute galt es, ein letztes mal alles einzupacken. Nach dem resteverwertendem Frühstück unter, anderem aus Spaghetti mit Chilisauce bestehend, pressten wir unsere teils nasse Ausrüstung, Mitbringsel und Klamotten in unsere Rucksäcke um uns auf den Weg zum Flughafen in Narvik zu machen.
Wir genossen auf der Fahrt noch ein letztes mal die Landschaft und ließen die vergangenen Erlebnisse revue passieren. Wir gaben den Autoschlüssen zurück und warteten auf den ersten von 3 Flügen.
Beim Einsteigen trafen wir wieder auf Chris, einen kletterbegeisterten Düsseldorfer, mit dem wir am Vorabend das Fussballspiel ansahen. Zufällig saß er genau neben uns; als wir herausfanden dass wir beide Klettern und Bouldern zu unseren Hobbies zählen, verging die Zeit durch ein interessantes Gespräch "wie im Flug", wir tauschten dabei auch einige Tipps und Erfahrungen aus.
Im letzten Flug, von Kopenhagen nach Wien, begegneten wir Thomas, einem Schulfreund von Verena, mit dem wir uns dann bei der Heimfahrt ein Taxi teilten. Als wir dann um 22 Uhr unsere Wohnung erreichten, waren wir froh, den sehr kurzen restlichen Abend mit Luxusutensilien wie Couch, unbegrenztem Warmwasser, Fernseher zu verbringen, bevor wir am nächsten Morgen wieder ins Büro fahren.